Ich mag ja Science Fiction, und zwar in seiner ursprünglichen Form, auch wenn ich natürlich hin und wieder Popcorn-SciFi schaue um was fürs Auge zu haben. Gutes SciFi zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass es Fragen stellt, ohne sie wirklich zu beantworten, und stattdessen den Zuschauer (oder Leser) zum Nachdenken anregt und dazu bewegt, die verschiedenen Wahrheiten und Sichtweisen ein- und derselben Sache mal zu durchdenken und sich mit den Konflikten zu beschäftigen.

In "Altered Carbon" gibt es eher was fürs Auge, aber es wird ein Konflikt aufgezeigt: Obwohl der Körper durch die Technologie eigentlich nicht mehr relevant sein sollte, ist er es um so mehr. An und für sich relativ leichte Kost. In "Passengers" geht es um die Frage, ob wir einem anderen Menschen Schaden zufügen können, um unseren eigenen Schaden zu heilen - leider liefert der Film nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem Punkt. Bei Batman geht es um die Unterschiede zwischen dem sichtbaren und dem unsichtbaren Selbst, am offensichtlichsten ist das bei Twoface - bei ihm ist die Wahrheit allerings, dass er zwar zwei Gesichter zeigt, aber nur eines besitzt. Das Zwei-Gesichter-Konzept wird auch kurz bei Star Trek aufgegriffen, in dem die Romulaner zwei Türen im Haus haben, und zwar eine "übliche" Vordertür, die allerdings nur ein Schwindel ist bzw. nur für Fremde zu benutzen, und eine Hintertür, durch die Freunde herein gelassen werden. Ganz offensichtlich ist dieses Konzept in asiatischen Kulturkreisen, wo es dem Arbeitgeber gegenüber das Ja-und-Amen-Gesicht gibt, und außerhalb des Arbeitsplatzes das "echte" Gesicht.

Und dann gibt es noch... Westworld. Hier wird nicht nur eine einzige, leicht verdauliche Frage gestellt, sondern gleich mehrere schwer verdauliche auf einmal. Es stellt die Frage, was eigentlich Freiheit ist, betrachtet den Konflikt, dass ein- und dieselbe Sache je nach Blickwinkel komplett gegenläufige Wahrheiten darstellen kann, zeigt auf, dass Gut und Böse Hand in Hand gehen und ein fragiles Konstrukt ist, und nicht zuletzt ob wir einen freien Willen haben oder nur Schachfiguren unserer Umwelt und Vergangenheit.

In meinem letzten Post habe ich über das Ego gesprochen, allerdings hat sich mir die Frage gestellt, was genau das Ego eigentlich ist, und musste irgendwann zwangsläufig über den freien Willen nachdenken. Ich denke, also bin ich, oder? Ich kann mich dazu entscheiden, diesen Post hier zu schreiben oder meine Gedanken für mich zu behalten. Ich kann mich entscheiden, entweder das Tiefkühlgemüse zu kaufen, oder ein Steak. Oder oder oder...

Fangen wir mit diesem Post hier an. Ob ich diesen schreibe oder nicht ist so betrachtet nicht meine Entscheidung gewesen, sondern eine indirekte Folge meines ersten Posts über Corona und Mathe, ich bin nur dem Pfad der Fragen gefolgt und zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht helfen kann, wenn ich mal meine Gedanken mitteile. Und mein erster Post ist aus demselben Grund entstanden, insofern drehe ich mich dann auch irgendwie im Kreis.

Was das Essen angeht, da haben Sie vielleicht die falsche Frage gestellt. Es ist eigentlich egal, was wir essen, Hauptsache es schmeckt (um unser Ego zu streicheln weil leckeres Essen halt ein schönes Gefühl gibt), aber noch hauptsächlicher ist, dass wir überhaupt essen. Diese Entscheidung wurde uns also von der Evolution in die Wiege gelegt.

Sowas wie Freiheit existiert also kaum, es ist viel mehr ein Rauschen, das im Muster fast untergeht. Der Wille ist das Muster. Daraus ergibt sich die Frage, woher genau das Muster kommt.

Fangen wir mal ganz früh an. Irgendwann vor Millionen von Jahren haben sich auf der Erde ein paar Moleküle aus dem Chaos herauskristalliert, die sich reproduzieren konnten. Sie konnten mehr von sich herstellen, und mit der Zeit wurden diese Moleküle immer komplexer - ein Rauschen von der Natur gegeben, nicht die Entscheidung der Moleküle selbst. Die Lebensfähigkeit der Moleküle hing von ihrer Zusammensetzung ab. Und je länger ein solches Molekül lebte, desto mehr Nachkommen konnte es erzeugen; je kürzer es lebte, umso weniger. Das erste Kettenglied zum Ego war gelegt: Fortpflanzung. Moleküle mit wenigen Nachkommen starben einfach aus, weil sie von den reproduktiveren Nachkommen überrannt wurden.

Die Evolution führte dann dazu, dass es effektiver war, starke und reproduktive Mitglieder schon vom Aussehen her erkennen zu können, um so den Makel niedriger Reproduktionsraten einzudämmen. Wir kennen das als optische Merkmale wie z.B. das Schillern von Schmetterlingen, oder auch als Balzrituale in den verschiedensten Formen des Flirtens. Haben Organismen den Status bewussten Verhaltens erlangt, gibt es eigentlich nur noch einen Weg, seine Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen - zu zeigen, dass es Besitztümer anhäuft um die Nachkommen versorgen zu können, und dass es überhaupt in der Lage ist, sich sehr oft zu reproduzieren. In einer noch höheren Form der bewussten Vermarktung muss ein Organismus auch zeigen, dass er in der Lage ist, bereits lebensfähige Organismen zu schützen und in ihrer Reproduktion zu unterstützen.

Insofern... der Sinn des Lebens ist ficken, und unser Ego ist nur der fundamentale Wunsch nach Fortpflanzung.

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