Direkt vorneweg, ich habe zwar ein paar Kenntnisse über Physik (meine Physik-LK Note war nicht all zu schlecht), aber ich lehne mich hier für meine Verhältnisse relativ weit aus dem Fenster. Es ist ein Gedankenspiel, das ich immer mal wieder flüchtig verfolge, und sich mit der Frage beschäftigt, ob Zeitreisen möglich sind, ohne die ganzen Paradoxien die man so kennt. Ich behaupte einfach mal, dass es möglich ist, irgend einen seiner direkten Vorfahren umzubringen, ohne Konsequenzen für sich selbst zu verursachen. Oder etwas in einem anderen Szenario zu versuchen, irgend eine blöde Entscheidung seiner Vergangenheit zu ändern. Es gibt da verschiedene Paradoxien, aber das dürfte wohl die bekannteste sein, da sich hier natürlich folgende Frage stellt: wenn ich mich selbst in der Vergangenheit dazu gebracht habe, eine schlechte Entscheidung zum Guten ändern, warum sollte ich mich dann später überhaupt dazu entscheiden, in die Vergangenheit zu reisen, wenn ich dann gar keinen Grund mehr habe, meine Entscheidung zu ändern, weil ich sie ja zum Guten geändert habe?

Ich behaupte einfach mal, dass beides - mehr oder weniger - gleichzeitig möglich ist. Natürlich ohne Beweise, dazu fehlen mir die Kenntnisse. Wie gesagt, dazu fehlen mir die notwendigen Kenntnisse, von daher bitte ich Vorsicht walten zu lassen.

Ich fange mal von vorne an. Wenn man in der Physik das erste mal etwas tiefer in die Relativitätstheorie einsteigt, wird man relativ schnell mit dem Begriff der Gleichzeitigkeit (oder Synchronizität) konfrontiert. Mal angenommen, ich habe zwei Lampen, die beide zur gleichen Zeit aufleuchten sollen. Ich stelle mich also genau in die Mitte zwischen beide Lampen, und gebe an beide Lampen irgend ein Signal, wann diese aufleuchten sollen. Da ich rein zufällig die genaueste Atomuhr des Universums in meiner Handtasche finde, bekomme ich beide Lampen schnell dazu, absolut gleichzeitig aufzuleuchten. Alles total geil. Mein Job ist getan.

Also gehe ich nach Hause. Rein zufällig (wie sollte es anders sein?) liegt natürlich eine der Lampen genau auf meinem Weg nach Hause. Weil ich meine Arbeit so geil finde halte ich noch mal da an, packe meine Atomuhr aus, und will noch mal auf mein geiles Ergebnis schauen. Nur um festzustellen, dass die andere Lampe irgendwie nachhinkt. Zwar nicht so viel, dass es irgend jemandem ohne Atomuhr auffallen würde, aber mir persönlich ist das aber zu ungeil. Also laufe ich wieder zurück in die Mitte zwischen beide Lampen, packe meine Atomuhr aus, und fange wieder an, beide Lampen zu synchronisieren. Nur um festzustellen, dass beide Lampen absolut gleichzeitig aufleuchten. Alles paletti.

Aber ich traue der Sache natürlich nicht so richtig. Also packe ich meine Atomuhr auf einen Bollerwagen, den ich in meiner linken Hosentasche gefunden habe, und ziehe den auf meinem Heimweg hinter mir her, und schiele immer wieder mit einem Auge drauf... und stelle fest, dass je mehr ich mich vom Mittelpunkt zwischen den Lampen entferne, die Lampen irgendwie immer mehr aus dem Takt geraten. Wenn ich dann, weil ich gerade so im Tritt bin, zur Mitte zurücklaufe, kriege ich mit, wie beide Lampen immer synchroner werden, bis ich dann in der Mitte ankomme, wo beide Lampen wieder synchron laufen.

Habe ich etwa... übermenschliche Kräfte? Kann ich die Zeit beeinflussen? Bin ich ein Superheld?

Naja... mehr oder weniger. Wenn ich zwischen beiden Lampen stehe, ist die Strecke, die das Licht von beiden Lampen zu mir zurücklegen muss, gleich. Die Zeit, die das Licht von einer Lampe zu mir braucht, ist also gleich. Wenn ich aber nach Hause gehe, entferne ich mich von der einen Lampe, und bewege mich auf die andere Lampe zu. Dadurch ändern sich die Distanzen zu den Lampen, und das heißt auch, dass das Licht der einen Lampe mehr Strecke zurücklegen muss als das Licht der anderen Lampe. Und das heißt dann auch, dass die eine Lampe für mich etwas später aufleuchtet als die, auf die ich mich auf meinem Heimweg zubewege.

Mein eigener, persönlicher Begriff von Gleichzeitigkeit ist also abhängig davon, wo ich mich aufhalte. Das hängt alles von der Entfernung von den Lampen ab.

Jetzt wird das aber etwas abgefahrener, denn ich kann auch Distanz in Zeit angeben. Der Begriff "Lichtjahr" ist ja die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Etwas begreifbarer ausgedrückt, das Licht unserer schönen Sonne braucht etwa 7 Minuten, bis es bei uns ankommt. Während Sie das hier lesen, kann es also sein, dass unsere Sonne explodiert, aber das kriegen wir erst mit, wenn das Licht bei uns ankommt, weil das natürlich dann erst sehen können. 7 Minuten bemerken wir aber definitiv. Trotzdem werden wir alle schreien (sofern uns noch Zeit bleibt): "Die Sonne ist jetzt gerade explodiert!" - obwohl das schon vor 7 Minuten geschehen ist.

Uns kann das auch herzlich egal sein - uns betrifft das erst wirklich, wenn uns die Auswirkungen erreichen. Die Sonne könnte auch so weit entfernt sein, dass das Licht ein paar Stunden braucht. Bei uns wird es erst dunkel, wenn das Licht diese Stunden zurückgelegt hat... und dann aufhört.

Ob zwei Dinge gleichzeitig passieren, hängt also davon ab, wo ich mich in Relation zu den zwei Dingen befinde.

Und jetzt noch was: zwei Dinge können nicht gleichzeitig denselben Punkt im Raum einnehmen (das Pauli-Prinzip, wer das nachschlagen möchte). Der Begriff der Gleichzeitigkeit ist also für jeden unterschiedlich, auch wenn uns in unserer Wahrnehmung die Präzision fehlt, dass uns das stören könnte. Weil wir nicht denselben Punkt im Raum einnehmen können, wird das mit der Gleichzeitigkeit etwas schwierig (wenn auch nicht unmöglich).

Der Punkt ist aber, wenn wir beides miteinander verknüfen, ist folgender: Sie und ich können niemals am selben Ort sein. Wenn ich Ihnen etwas sage, dauert das etwas, bis das bei Ihnen ankommt, und umgekehrt. Selbst wenn zwischen uns beiden jemand steht, der dafür sorgt, dass wir beide (in seiner Wahrnehmung) genau gleichzeitig etwas sagen, wird das für uns beide wirken, als wäre der jeweils andere etwas zu spät.

Der wesentliche Gedanke, der mir dabei gekommen ist, ist folgender: was ist, wenn sich die Zeit selbst mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegt, und sich Änderungen niemals sofort auswirken? Sagen wir einfach mal, ich reise jetzt mal ein paar Stunden in die Vergangenheit, und halte mich davon ab, diesen Blog-Artikel zu schreiben. Ich hätte also, nachdem ich mich abgehalten habe, keinen Grund mehr, in die Vergangenheit zu reisen, vorausgesetzt, die Änderungen in meiner Vergangenheit betreffen mich sofort. Das Resultat meiner Idee ist aber, dass die Auswirkungen meiner Zeitreise immer gleich weit von mir entfernt sind. Wenn ich also zwei Stunden in die Vergangenheit reise, liegen die Auswirkungen dieser Änderungen der Vergangenheit immer zwei Stunden in meiner eigenen Vergangenheit.

Mit anderen Worten, die Zeit kann nicht schneller als die Zeit laufen, wenn das stimmt, was ich mir hier mit vielen Annahmen zusammenreime. Ich kann demzufolge also in meine eigene Vergangenheit reisen, auf einen Schmetterling treten, was mein altes Selbst aus irgend einem aberwitzigen Grund umbringt, was mir aber egal ist, da mein Tod nur mein altes Selbst betrifft. Die zeitliche Distanz dieses Ereignisses ist für mich konstant. Mein gewalttätiges Ich, das in die Vergangenheit gereist ist, kann ohne Probleme 80 Jahre alt werden, da mein Tod immer eine zeitliche Distanz zu mir hat.

Wenn Sie rein zufällig Referenzen vorlegen können, die das hier widerlegen, sich damit einfach nur beschäftigen ohne ein Ergebnis zu haben, oder vielleicht sogar bestätigen, immer her damit. Wenn Sie irgendwie Unterhaltungsliteratur schreiben, und Sie das hier inspiriert, und daraufhin einen Bestseller mit diesen Ideen verfassen, auch her damit. Ich verlinke gerne alles, was einen halbwegs vernünftigen Eindruck macht.

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